Skip to content
Nov 5 10

greenland kajak

auf meinem blog habe ich bereits ein kurzes bautagebuch geschrieben.

kajak bautag 4

my kajak

hier noch einmal eine relativ kurze anleitung, nicht konkret darüber wie ihr euer eigenes boot baut, sondern darüber welche änderungen ich am design gemacht habe, um den bau schneller und einfacher zu machen. die grundsätzliche idee kam von dieser seite, die den bau sehr einfach und recht detailiert behandelt. preview: am bautag eins geht es vor allem darum dimensionen fest zu legen. da ich wie immer das im haus vorhandene, billige und einfach zu bekommende material genutzt habe, war klar dass mein boot kürzer werden muss. jedem der ab und zu etwas bastelt ist eine dachlatte bekannt, die hat 5 m länge, also war eine dimension meines kajaks bereits festgelegt. für das gesamte kajak habe ich 5 dachlatten verschnitten und verbaut.

kajak bautag 2

die nächsten schritte sind dann sehr nach plan abgelaufen – dachlatten dünner hobeln, fixieren, spreizen und breite des kajaks festlegen. das war relativ einfach und schnell gemacht.

kajak bautag 1

vom plan abgewichen bin ich auserdem, in dem ich nicht alle nägel wieder entfernt habe und das boot mit holzdübeln und leim fixiert habe. bei mir ist alles vernagelt oder verschraubt, ich habe nicht einen holzdübel genutzt. vielleicht etwas unoriginal, aber man spart sich einen ganzen tag arbeit. der nächste schritt war dann das deck zu bauen. das ist etwas zeitintensiv, da man die deckbalken jeweils anwinkeln muss, um dem kajak seine nach oben “aufgebogene” form zu verpassen. aber auch hier, man muss nicht alles so genau nehmen.

kajak bautag 2

den kiel einziehen, bug und heck bauen war dann wieder relativ einfach. bug und heck ist eine ziemliche spielerei, ist aber mit etwas geduld technisch einfach herzustellen. hier am besten nicht sparen, ich habe einmal “irgendein” holz genutzt, dass dann ausgebrochen ist und musste ein zweites mal alles neu ausschleifen. also gleich am anfang gutes holz raussuchen, nicht das zeug was “bei papa in der werkstatt rumgelegen ist” – ich habs bereuht. spanten. da habe ich noch einmal gepfuscht… weil ich zu faul war so viele dachlatten zu splitten oder zu hobeln oder sonst die spanten über wasserdampf zu biegen (was definitiv ebenfalls einen tag in anspruch nehmen würde), habe ich nach alternativen gesucht. meine lösung war, dünne bretter, die ich für ein paar stunden in wasser eingelegt hatte, zu biegen. ich nehme an, dass ich hier etwas zu viel gepfuscht habe, überlegt euch hier also am besten eine eigene, halb gepfuschte und halb perfekte lösung. ich habe gelesen aus grünen zweigen soll man gute spanten biegen können zB. das problem bei meiner lösung ist, dass die breiten, eckigen spanten teilweise auf die aussenhülle drücken, und damit mehr wasserwiderstand als notwendig erzeugen. YMMV. es müssen jetzt nur noch die zwei seiten montiert werden, was relativ einfach gemacht ist (das “anbinden” könnt ihr euch sparen, ein paar nägel tun ihre arbeit hier auch), und das deck fertig gestellt. mein deck hat keinen original-runden ausschnitt, sondern einfach einen eckigen ausschnitt. das macht das ein und aussteigen einfacher, und spart viel arbeit beim deck- und hüllenbau.

kajak bautag 3

wenn ihr so weit gekommen seit, hab ihr echt schon einiges geschaft, und jetzt gehts an den endspurt. das macht dann auch schon wieder sehr viel spass, weil das boot wirklich wie ein boot aussieht. die schwierigste frage ist jetzt – welcher stoff? hier hab ich auf trial und error gesetzt, und den erstbesten stoff genutzt, den ich finden (wohl eher von mama auszahn) konnte. mein stoff war denke ich etwas zu dünn, ist damit aber auch leichter. auserdem war meiner sehr porös, was viele schichten anstrich notwendig gemacht hat – wsa die hülle wieder schwerer gemacht hat. die moral aus der geschichte: macht einfach. ein bisschen theorie zu dem schritt: das vorbild zu meinem kajak sind inuit-kajaks. diese sind mit leder bespannt. es geht darum eine relativ flexible hülle zu erhalten. damit ist sie weniger anfällig aufgerissen und aufgeschnitten zu werden – weil sie so weit möglich nachgibt. das wird auf meinem boot simuliert, in dem die hülle aus imprägniertem stoff ist. über den stoff (oder nylon) kann man sich zwar monatelange den kopf zerbrechen, aber manchmal ist es einfacher erstmal zu tun – und ein kajak zum herumpaddeln zu haben – als alles zu viel überdenken. die stofffrage empfehle ich zu lösen, in dem ihr euch fragt “wo bekomme ich am billigsten einen so großen fetzen stoff her” – meine hülle besteht aus einem tischtuch. beim bespannen habe ich auch gepfuscht. einfach den tacker rausholen – hülle am rahmen festtackern – und gut ist. macht einiges viel einfacher und man benötigt nur mehr eine relativ kurze naht um die hülle fertig zu stellen.

kajak bautag 4

der stoff alleine macht aber noch kein boot, weil er natürlich nicht wasserdicht ist. auch hier kann man alles tausendmal überdenken und überschlafen, oder man nimmt was man hat. im haus habe ich dieses hässliche gelb gefunden (normale wandfarbe für innen aka “innendispension”), dass ihr oben seht. relativ schnell war dann beschlossen, dass die ersten anstriche gelb werden, um den porösen stoff erstmal zu füllen. das hat wirklich gut geklappt, und nach 2 anstrichen war die hülle glatt und porenlos. beim schwimmtest hat die “innenfarbe” allerdings etwas versagt.

kajak bautag 4

kajak bautag 4

versagt ist wohl etwas übertrieben. oben seht ihr dass das boot sehrwohl schick ausgesehen hat, und geschwommen ist. das sogar relativ lange und ausgiebig. aber am ende bin ich dann doch etwas im nassen gesessen. also musste eine lösung her. die war dann auch relativ nachliegend – wenn innen-wand-farbe nicht reicht – try aussen-wand-farbe. ob die undichtigkeit jetzt wirklich an der “innen” wandfarbe gelegen hat, oder daran, dass der stoff zu porös UND zu wenige schichten farbe bekommen hat, kann ich nicht mit sicherheit sagen. jedenfalls war nach 2 anstrichen mit schwarzer aussen-wand-farbe die hülle schön dicht. ein wenig gespielt habe ich mich mit den farben, die hülle hat 2 schichten schwarz erhalten, oben die deckseiten mit einer schicht schwarz gepinselt, und das oberdeck mit weissem rauhfaserputz verziert. so ist das deck schön rauh und griffig, und die hülle glatt und gleitfähig. mein boot hat noch ein paar beschläge spendiert bekommen (einen ring am bug und einen am heck, zum festbinden). alles in allem hat mich das projekt greenland-kajak 10€ (1 liter schwarze aussenwandfarbe) gekostet, wenn man das material insg. rechnen würde schätze ich auf ca. 50€. viel spass beim kreative lösungen für verzwickte probleme suchen und nachbauen,

my kajakmy kajakmy kajak

mehr fotos gibts auf flickr!

für hilfe und fragen stehe ich unten in den kommentaren zur verfügung.

5 Comments
  1. marcel permalink

    Hi!
    Dein Kajak sieht ja mal echt gut aus!
    Kannst du mir ein par mehr Infos über das “Innere”, also das Gestell zukommen lassen? (gern auch per Email)
    Das wäre wirklich sehr hilfreich, da ich mir nicht sicher bin, wie viele Streben ich für genügend Stabilität brauche…
    Gruß,
    Marcel

  2. hy marcel.

    kommt drauf an, was du mit streben meinst. wenn du die spanten, also die schmalen, quer zur wasserlinie verlaufenden verstrebungen meinst, dann findest du die anzahl in der verlinkten instructables-dokumentation. ich hab sie bei meinem kajak etwas zu biegsam gemacht, allerdings war das auch viel weniger arbeit.
    denkst du über einen bau nach oder arbeitest du schon an etwas?

    mfg
    michael

  3. marcel permalink

    hey,
    danke für die schnell antwort!
    ich will demnächst anfangen, aber ich weiß nicht genau, wie tief das kanu werden muss, dass oben kein wasser reinschwappt, bzw. wie stabil es auf dem wasser liegt.
    sollte der boden (im querschnitt betrachtet) eher flach sein, oder eher spitz sein sodass das kanu durch das wasser “schneidet”?
    lg marcel

  4. das hängt logischerweise von deinem gewicht ab :) da das kajak sehr lang gezogen ist (ist ja eig. aufs fahren am meer ausgelegt), hat es sehr viel fläche. meines liegt sehr hoch im wasser, ich wiege ca. 60kg.
    der winkel des bodens kommt auf das gewünschte verhalten an. flacher boden ist einfacher zu fahren, “spitzer” boden ist agiler.

    ein kleiner disclaimer, ich hab mir das selbst alles angeeignet und angelesen, und bin in keinster weise experte auf dem gebiet. kann dir nur weitergeben was ich gelernt habe.

Trackbacks & Pingbacks

  1. michael pollak » greenland kajak

Leave a Reply

Note: XHTML is allowed. Your email address will never be published.

Subscribe to this comment feed via RSS